synthetic media or an object that never existed

Installation in Weiß


Das Studio 45 cbm der Kunsthalle Baden-Baden bietet reglemäßig jungen Künstlern Gelegenheit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Dabei fällt auf, dass sehr viele dieser meist recht experimentell und oft auch mit viel Witz und Augenzwinkern arbeitenden Kunstschaffenden in ihren Werken reflektieren, wie elektronische Medien und virtuelle Welten die Wirklichkeit und vor allem die Wahrnehmung dieser Wirklichkeit verändern.

Mit seiner Installation ”synthetic media or an object that never existed“, die am Freitagabend eröffnet wird und bis zum 29. März zu sehen ist, stellt der 1983 in Erfurt geborene Martin Wühler sogar die Existenz dieser Wirklichkeit in Bausch und Bogen in Frage. Dabei nimmt er nicht einmal seine Existenz aus: ”This person does not exist: Martin Wühler“ (Diese Person existiert nicht: Martin Wühler) steht auf dem Flyer zur Ausstellung, dessen Text sich neben den Angaben zur Ausstellungsdauer auf eine Reihe von Begriffen aus der virtuellen Welt der neuen Medien beschränkt.

Was in dem Raum in der Kunsthalle zu sehen ist, hat zunächst einmal durchaus einen konkreten sinnlichen Reiz. Da ist ein Berg oder ein Hügel aufgeschüttet. der aus weiß eingefärbtem Rindenmulch besteht. Darauf verteilt und überwiegend, mit markanten Ausnahmen, ebenfalls in weiß gehaltene Objekte zu sehen, bei denen es sich teilweise um bearbeitete Erinnerungsstücke und teilweise mit dem 3D-Drucker hergestellte Skulpturen handelt, denen die Spuren ihres Entstehungsprozesses noch ins Gesicht geschrieben sind. Einen ”Friedhof der Devotionalien“ nennt Hendrik Bündge, der die Ausstellung kuratiert, den Berg, dessen optischer Reiz nicht zuletzt auf dem markanten, geziehlten Anstrahlen einzelner Details und Objekte beruht.

Der Bezug zur virtuellen Welt wird deutlich bei einem Blick auf eine Art Landkarte, die neben der Installation an der Wand aufgehängt ist. Darauf sind die einzelnen Objekte auf dem Berg benannt mit Begriffen aus der Welt des Internet, die zunächst einmal überhaupt nichts mit den Objekten selbst zu tun zu haben scheinen. Es gibt eben keinen Verlass mehr auf angebliche Fakten: Sind die Objekte echt? Sind sie manipuliert? Sind sie frei erfunden? Man weiß es nicht. Man weiß ja nicht einmal, ob es den Künstler überhaupt gibt, denn wie schreibt er auf dem Flyer: ”This person does not exist: Martin Wühler“

Die Ausstellung wird am Freitag, 17. Januar um 19 Uhr eröffnet. Nach der Begrüßung durch die Kunsthallen-Leiterin Luisa Heese führt Kurator Hendrik Bündge die Besucher in die Installation ein.

Karl-Heinz-Fischer
besonderen Dank an