LABOR A

Galerie EIGEN + ART

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Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.


Mose 3 19
LABOR A

Der Begriff Labor, ursprünglich aus dem Lateinischen: laborem (Arbeit, Anstrengung, Härte, Schmerz, ein Produkt der Arbeit) bedeutete im europäischen Sprachraum des 13. Jahrhunderts - eine Aufgabe, ein Projekt, Anstrengung des Körpers oder Schwierigkeit und war der Ausgangspunkt
für die raumgreifende Installation, welche über einen Zeitraum von vier Tagen, in Form einer performativen Skulptur in der Galerie EIGEN+ART Leipzig realisiert wurde.

Das Wort Labor, bezeichnet heutzutage einen Ort und Arbeitsplatz vorwiegend im Bereich der Naturwissenschaften. Im Labor, werden die verschiedensten Experimente, Prüfungen, Messungen, Prozess- und Qualitätskontrollen durchgeführt oder es werden Materialien bearbeitet sowie chemische Produkte hergestellt, vorwiegend durch Maschinen - durch die neueste und modernste Technologie. Übertragen auf den Kunstbetrieb, ist dieser Ort der Arbeit, das Atelier.

Im Rahmen der Intervention wurde jedoch die Galerie, der Ort des Zeigens und des Verkaufs, von Innen wie von Aussen, von den Zeichen ihrer Nutzung befreit, um den im Jahr 1904 liegenden Ursprung als Produktionsstätte hervorzuheben und somit die Räume für die künstlerische Forschung anzueignen. Im Untergeschoss des Gebäudes wurde dafür zusätzlich ein 14 x 6 x 2,5m großer Raum errichtet, welcher als Labor diente und das Kernstück der Arbeit darstellte.

LABOR A war eine Hinterfragung derjenigen Umstände, durch welche das Atelier, als moderne Fabrikhalle für die fließbandartige Kunstproduktion und deren anschließende Vermarktung, seinen Status als Schutzraum verloren hat. Aufgrund dessen, war auch die eigene Isolation in den Räumen der Galerie, während der gesamten Dauer der Intervention, ein zentraler Gesichtspunkt. Das Hervorheben der Exklusivität des Kunstbetriebes, durch den Ausschluss der Öffentlichkeit, war demnach ein logische Konsequenz, da der Fokus der Arbeit auf der künstlerischen Tätigkeit lag, anstatt auf dem Verkauf oder der Wertsteigerung von Produkten in einer Aufmerksamkeitsökononmie.

Ein Versuch der Verweigerung vor dem Kapitalismus und der immateriellen Arbeit von heute; dem Kapitalismus der Wissensausbeutung, in den Industrien des Gutaussehens und der Massenproduktion von Höflich- und Dienstbarkeit, in welchem man von den Menschen verlangt, dass sie nicht unbedingt technisch kompetent oder körperlich belastbar, sondern, dass sie identifziert mit Arbeit und Arbeitsplatz; dass sie authentisch seien und sich als Individuum sprichwörtlich vermarkten.
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