HOT OPTIONS

HGB
Hochschule für Grafik und Buchkunst
Academy of Fine Arts
Digitale Produktions- und Distributionstechnologien sind in zunehmenden Maße direkt oder indirekt Grundlage künstlerischer und kultureller Praxis geworden. Es muss jedoch nicht nur um die einfache Hybridisierung der Künste gehen, sondern vielmehr um die Möglichkeit jede Eigenschaft eines Mediums simulieren zu können. Erst in der Mischung der Erscheinungsformen, entstehen wirklich hybride Produkte, in denen beide Seiten die gleiche Rolle zukommt. Die Adaption an eine permanente visuelle Wahrnehmung virtueller Bildinhalte, beschleunigt das Verschwinden der Grenze zwischen digitaler und analoger Umgebung. Es entsteht ein analog-digitaler Raum.

HOT OPTIONS Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen digitaler und analoger Präsentation. Hierfür wurden Versatzstücke aus Kunst, Wissenschaft und eigenem Archivmaterial zu einer digitalen Collage im 3D-Programm kombiniert und anschließend auf einen analogen Bildträger gebracht. Diese Pigmentdrucke sind Hybride. Sie zeigen die Vermischung von klassizistischen Skulpturen des Mercurius, der Venus und des Mars, mit einer im Fall befindlichen Arbeiterbiene, dem drei- dimensionale Modell einer Supernova, einer nigerianische Kriegsfigurine, Scans von Seifenblasen, digitalisierten Staubpartikeln, Fotografien von Marabus und Walrossen aus den 1950er Jahren, Wachsschüttungen und Rasterelektronenmikroskopaufnahmen von Viren und Kristallen. Durch diesen Prozess der Schichtung von Bildinformationen, entstanden auszughafte Standbilder des sich im Internet befindlichen Bilderreichtums.

Dieses kollektive Bildgedächtnis, des sich stetig in Bewegung befindlichen digitalen Archivs, welches sich permanent neu kombiniert und erweitert, ist die Grundlage für eine künstlerische Praxis, die daraus besteht, Bilder aus dieser Zirkulation zu entnehmen und eine Neueinschreibung in andere Kontexte vorzunehmen. Die sich stetig aus dem analogen in den virtuellen Raum und vice versa beschleunigende Migration von Objekten, seien es Kunstwerke, wissenschaftliche Untersuchungen oder simple Alltagsgegenstände, ermöglicht zudem das Entstehen medialer Hybride. Der offensichtlich digitale Ursprung der Bildinhalte verschmilzt dabei mit der analogen Materialität des Bildträgers, seiner Fassung aus Stahl und dem Raum der ihn umgibt. Der durch den Anthropologen Claude Lévi-Strauss geprägte Begriff ‘Hot Options’ beschreibt gesellschaftliche Bedingungen, wie Beispielsweise soziale Ungleichheit, kriegerische Auseinandersetzung, zunehmende Vernetzung oder technischen Fortschritt. Nach Lévi-Strauss’ Theorie, können diese Bedingungen gesellschaftliche Veränderungen stark beschleunigen. Somit zeigt die Arbeit, durch die Kombination von sogenannten kalten Optionen (überlieferte Traditionen) und heißen Optionen (technische Inovationen), eine mögliche Ikonographie der zukünftigen synkritistischen Zusammenstellung der globalen Gesellschaft.